Im Konzert der vielen Werkautos und werksunterstützen Fahrzeuge bei den ADAC RAVENOL 24h Nürburgring sind die Amateur- und Breitensportler das Salz in der Suppe. Einer der Hobbypiloten ist Wolfgang Haugg, der in sein 53. Rennen zweimal rund um die Uhr startet. Er teilt sich mit Roland Waschkau, Thorsten Jung und Dirk Vleugels einen Audi TTs in der Klasse SP 3T (#317). Der Start unter der Bewerbung des MSC Sinzig im ADAC dürfte den Belgier mit etwas Wehmut erfüllen, denn es soll sein letztes 24-Stunden-Rennen sein.
„Für mich bedeutet ein solches Rennen und vor allem die Vorbereitung darauf mentalen Stress. Ich muss das richtige Mindset finden, um eine gute Leistung abzurufen. Und auch körperlich wird es nicht einfacher, vor allem, wenn es im Auto richtig warm wird“, erklärt Wolfgang Haugg seinen Rückzug vom 24-Stunden-Parkett. „Außerdem mache ich noch andere Dinge im Leben“, so der Geschäftsführer eines Familienunternehmens mit 100 Mitarbeitern und vierfache Familienvater.
Auf seine bisherige Karriere blickt der 59-Jährige, der nie Kart- oder Formelsport betrieben hat, mit Stolz zurück. „Ich war immer ein guter dritter oder vierter Mann, ich konnte ein Auto sicher ins Ziel tragen. Ich habe eher 99 Prozent als 101 Prozent gegeben“, so der passionierte Langstreckenpilot. „Im Endurancesport mag ich den Teamgedanken. Man kann seine Kollegen moralisch unterstützen, aber ebenso auch Support von ihnen erhalten. Man ist kein Einzelkämpfer.“ Und er hatte sich auch auf eine Fahrzeugklasse festgelegt. „Ich mag die 2-Liter-Autos. Ein leistungsstärkerer Porsche beispielsweise hat mich nie gereizt, ich wollte lieber aus einem Auto mit weniger Hubraum das Maximum rausholen. Außerdem habe ich mich in einem leistungsschwächeren 2-Liter-Renner in jeder Situation pudelwohl gefühlt. Und wie heißt es so schön: Schuster, bleib bei Deinen Leisten.“ Doch trotz seiner Langstreckenliebe hatte er auch im Sprintbereich Erfolge, 1990 war er belgischer Tourenwagen-Meister.
Sein 50. 24h-Rennen stand eigentlich 2022 auf der Agenda und ein Team war auch schon gefunden. „Doch dann brach der Krieg in der Ukraine aus und ich habe spontan entschlossen, Menschen aus dem Kriegsgebiet in Sicherheit zu bringen. Ich bin also zur polnisch-ukrainischen Grenze gefahren und habe Ukrainern geholfen, ihr Land zu verlassen.“ Acht bis zehn Mal absolvierte er die Tour an Wochenenden und stellte fest: „Ich habe da eine andere Realität erlebt, für ein Autorennen war ich damals nicht bereit.“
Ein Jahr später kam er zurück auf die Nordschleife, die wie auch die 24 Stunden von Spa-Francorchamps viele Erinnerungen für ihn bereithält. „Meine ersten 24h im Jahr 1987 waren klasse, wir wurden mit einem Toyota Corolla Gesamt-Elfter und Sieger der Klasse. Speziell war auch das 24-Stunden-Rennen 1993 in Spa-Francorchamps, als von Samstag auf Sonntag der belgische König Baudouin starb. Der Lauf wurde abgebrochen, die Stimmung war damals sehr ergreifend. Und ganz grundsätzlich bin ich fast selbst begeistert davon, mit welch tollen Teamkollegen ich über viele Jahre hinweg meine Leidenschaft teilen durfte.“
Für seinen letzten 24h-Auftritt wünscht er sich „ein problemloses Rennen, am Sonntagvormittag den Sonnenaufgang am Steuer erleben und sich nach der Zielankunft in der Auslaufrunde bei allen Streckenposten bedanken.“ Ist der Entschluss, sich für kein weiteres 24-Stunden-Rennen anzumelden, endgültig? „Ja. Es sei denn, wir scheiden früh aus. Das wäre kein schöner Abschluss, dann komme ich nächstes Jahr wieder.“
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